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Gesundheit und Umwelt

 

Epidemien und Naturereignisse

In der medizinhistorischen und der sozialgeschichtlichen Forschung gilt es heute als ausgemachte Tatsache, dass Ereignisse, die unter dem Namen Pest liefen und immer noch als solche bezeichnet werden, nicht in allererster Linie als Folge schlechter hygienischer Verhältnisse und besonders grosser Ansteckungsgefahr zu betrachten sind. Dass jeweilen so viele Leute dahingerafft wurden, schreibt man heute vor allem Missernten und Hungersnöten zu, welche die Widerstandskraft der Bevölkerung untergruben und sie so in weit höherem Masse für Krankheiten anfällig machten. So konnte eine Infektionskrankheit grosse Teile der Bevölkerung anstecken und als Schwarzer Tod wüten. Die Pest von 1611 raffte in der Stadt Winterthur 47 Prozent der Bevölkerung dahin. In Hettlingen starben damals 98 Personen. Das waren, gemessen an den 271 Einwohnern des Jahres 1634, etwa 30,5 Prozent. Vor allem traf es zahlreich Frauen und Kinder. Felix Schrämli, Kuhhirt, starb mit Frau und sechs Kindern.

Am 6. oder 7. August 1731 wütete in Hettlingen ein schweres Unwetter. Die Reben wurden verhagelt, die Feld- und Baumfrüchte niedergeworfen. «Mit entsetzlichem und niemals dergleichen erhörten Wasserguss» waren Äcker, Wiesen und Gärten dermassen überschwemmt und vielfach so übel zugerichtet, dass der Anblick erbärmlich wirkte. Pfarrer Johann Conrad Zimmermann schilderte in seinem Bittschreiben zugleich, wie die meisten Leute dadurch in solchen Mangel und in derartige Armut geraten seien, dass sie sich nicht mehr weder zu raten noch zu helfen wüssten. Erschütternd bat er um Hilfe. An die Obrigkeit von Winterthur wandten sich am 10. August dann auch Untervogt Schwarz und Gerichtsschreiber Müller und fragten an, ob man nicht auch die Grafschaft Kyburg um Hilfe angehen solle. Dies besorgten Schultheiss und Rat noch am selben Tag mit einer Zuschrift an Landvogt Zoller. Aus dem Gebiet der Grafschaft Kyburg trafen in der Folge 112 Säcke mit Samenkorn ein sowie Geldspenden von 4 Pfund 12 ß. Schultheiss Steiner zum Geist und der Kleine Rat legten im Verein mit den Dorfvorgesetzten die verschiedenen Verteilungsquoten fest. Winterthur spendete 40 Mütt Kernen und 50 Mütt Hafer.

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Gedruckt am 22.04.2019 10:16:11